"MADAME BUTTERFLY" VON BELASCO / LOYDOLT

Wiederaufnahme 2023 im Theater Center Forum


Die verarmte Tochter eines japanischen Fürsten, der um sein Gesicht bewahren zu können, die heilige Handlung des Seppuku vollzogen hat, sieht sich gezwungen, um ihre Familie ernähren zu können, als Kurtisane Geld zu verdienen. Eine chinesische Puffmutter verschafft ihr den ersten Auftrag: Sie solle einem amerikanischen Marinesoldaten als ‚Ehefrau‘ zugehen. Da sie aber als Tochter aus gutem Haus nicht das Denken und Handeln einer Prostituierten hat, passiert es ihr das, was ihr nie passieren hätte dürfen: sie verliebt sich Hals über Kopf in den amerikanischen Offizier. Und diese Liebe wird zur fixen Idee, noch lange nachdem der Offizier, der sie in einer japanischen Zeremonie geheiratet hat, sie wieder verlassen hat. Sie fühlt sich als seine amerikanische Ehefrau mit ihrem Kind Trouble, das nach der Abfahrt des Offiziers geboren wird, und keiner kann ihr diese Vorstellung austreiben – weder der etwas überforderte Konsul noch der Fürst, der sie in Angedenken an ihren Vater, seinen guten Freund, zur Versorgung heiraten möchte, noch die mütterliche Dienerin, die sie dazu bewegen möchte, ein normales Leben zu führen. Und genau hier setzt die Regie von Manfred Loydolt, der das Stück vor mehr als 30 Jahren übersetzt und auf die Bühne gebracht hat, an, bei dieser fixen Idee, die den Beginn von Cho-cho-sans Wahnsinn darstellt, in den sie im weiteren Verlauf immer mehr abdriftet und der schlussendlich zu ihrem Seppuku führt. Manfred Loydolt führt die sie umgebenden Figuren als böse und ihr feindlich gesinnt aus – es benutzt ihre Sichtweise, um ihr Schwanken zwischen Traumwelt und Realität, ihren allmählichen Realitätsverlust, der sie sich als unverstanden und von allen belogen fühlen lässt, noch intensiver darstellen zu können. Dabei wollen ihr die Anderen, außer der Puffmutter, aus deren Sichtweise nur helfen und verzweifeln am Starrsinn von Cho-cho-san. Es geht also hier auch um Missverständnisse, die bis zum Schluss nicht aufgeklärt werden, und die psychologische Zeichnung einer Entwurzelung, die schlussendlich in Einsamkeit und Tod mündet. Manfred Loydolt beschwört neben diesen traumatischen Verhaltensmustern die Stimmung des Nagasaki um 1900 nach, als sich Japan langsam der westlichen Welt zu öffnen begann. Er legt viel Wert auf die japanische Tradition (originale Kimonos, Teezeremonie etc.), die im Gegensatz zu der psychologischen Figurenführung steht. Das Bühnenbild ist bewusst einfach gehalten, um diesen Gegensatz noch mehr in Szene zu setzen. Bei der Umsetzung seines Konzepts stehen 

 

Manfred Loydolt besitzt die alleinigen Rechte für die Übersetzung, daher ist die Chance, dieses Werk in einem anderen Theater im deutschsprachigen Raum zu sehen, sehr gering. Im Gegenzug muss erwähnt werden, dass dieses Stück  für Musikwissenschafter, Opernliebhaber und Theaterinteressierte von unschätzbarem Wert ist, da es zum Verständnis und der Entstehung von Puccinis Oper erheblich beiträgt.